Donnerstag, 27. Jun 2013, 10:24 Uhr

Überraschung nach #adblockgate Walraff: „Mein echter Name ist Sascha Pallenberg“

Steckt in Wirklichkeit hinter Günter Walraff: Sascha Pallenberg
Foto: Claudia Thomas / Lizenz Steckt in Wirklichkeit hinter Günter Walraff: Sascha Pallenberg

Günter Walraff, der irgendwann in den Neunziger-Jahren Aufsehen mit einer Reihe von Enthüllungen deutsche Konzerne und Behörden betreffend erregte, lässt nun seine Maske fallen: Sein echter Name ist Sascha Pallenberg. Die letzten 41 Jahre hat er unter dem Pseudonym „Günter Walraff“ in der Enthüllungsreporter-Branche recherchiert.

Das kommt für viele überraschend: Hinter dem bekannten Enthüllungsjournalisten, der immer wieder durch spektakuläre Undercover-Recherchen von sich reden machte, steckt der 41-jährige Blogger Sascha Pallenberg. Eigenen Aussagen zufolge hat sich Pallenberg das Pseudonym und das Aussehen zugelegt, um unerkannt in der Enthüllungsreporter-Branche zu ermitteln.

Was er zu Berichten hat zeichnet ein düsteres Bild: Enthüllungsreporter sind gewerkschaftlich kaum bis gar nicht organisiert, Pallenberg vermutet hier eine systematische Unterdrückung durch ihm nicht bekannte Lobbyisten. Mit einer dubiosen und undurchsichtigen sowie leistungsorientierten Vergütung müssen sich Enthüllungsreporter über Wasser halten und sind so gezwungen stets neue Bücher über immer schwachsinnigere Themen zu veröffentlichen.

Laut Pallenberg greifen die Enthüllungsreporter aus diesem Grunde auch zu immer mieseren Tricks: So ließ sich Pallenberg sein Alter Ego Walraff zu einem Schwarzen machen und recherchierte ausschließlich in bekannt rassistischen Kreisen. Die Erfahrungen verkaufte er als Querschnitt durch die Gesellschaft. Für seine Supermarkt-Reportagen suchte er sich Discounter-Ketten aus, bei denen ohnehin alle wussten, dass sie ihre Mitarbeiter schlecht bezahlen.

Aus Angst um Leib und Leben und um sich vor dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden zu schützen, flüchtete Pallenberg in den aisatischen Raum und betreibt seine Enthüllungs-Recherchen dort unter seinem eigenen Namen weiter. Sein letzter Coup: Das Aufdecken eines mafiösen Werbe-Netzwerks hinter dem beliebten Werbeblocker „Adblock Plus“. Gezielt nutzte Pallenberg das Medieninteresse nach der Enttarnung seines Walraff-Pseudonyms um seine jüngsten Aufdeckungen publik zu machen. Dass es sich hierbei um einseitige Berichterstattung handelt, da der Self-Made-Man als Blogger seine Einnahmen zu einem großen Teil aus Werbung generiert, weist Pallenberg entschieden, vehement und empört zurück. Auch den Vorwurf sich nicht mit journalistischen Standards auseinandergesetzt zu haben lässt er nicht gelten: „Um etwas über Bord zu werfen, muss man es auch kennen“.

Ob der Mythos „Günter Walraff“ damit für immer gestorben ist ließ Pallenberg offen.

cde

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