Dienstag, 03. Sep 2013, 13:42 Uhr

Bandenkriminalität Bundesweit organisierte Bande terrorisiert seit Jahren Bürger

Mehrere Bandenfahrzeuge in einem von den „Bullen“ kontrollierten Bezirk in Berlin.
Foto: Merje Shaw / Lizenz Mehrere Bandenfahrzeuge in einem von den „Bullen“ kontrollierten Bezirk in Berlin.

Sie sind in jeder Stadt, jedem Bezirk, selbst in nur wenige Seelen zählenden, ländlichen Örtchen findet man sie. Gedeckt von der Justiz schröpfen und befehligen sie Bürger aus allen Gesellschaftsschichten. Wie NRP-Recherchen ergaben, findet dieses Treiben bereits seit Jahrzehnten statt, ohne dass der Gesetzgeber einschreitet – im Gegenteil. Immer mehr Macht wird den Lederkutten tragenden Gangmitgliedern eingeräumt.

Es war eine verregnete Nacht, als Dieter Heidebrandt mit seiner geräumigen Limousine über eine Landstraße bei Nürnberg fuhr. Er fuhr nur etwas schneller als die erlaubten 100 km/h, als plötzlich ein bedrohliches Auto mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit von hinten näherte. Beim Näherkommen fielen Heidebrandt die blauen Leuchten auf dem Dach des aufgemotzten Gefährtes auf: eines der vielen Erkennungszeichen einer Bande, die viele Bürger seit Jahren terrorisiert.

Heidebrandt würde von der Straße gedrängt und anschließend genötigt, seine Identität offenzulegen. Dazu verlangten die Wegelagerer verschiedene Ausweisdokumente, die sie mit anderen Bandenmitgliedern abglichen und vermutlich für Identitätsdiebstahl weiterverwendeten. Besonders grausig: Die Mitglieder der Bande führen offen Schusswaffen bei sich – wer traut sich da zu widersprechen?

Zuletzt verlangten die Gangster von Heidebrandt noch, sein Geld auszuhändigen. Perfide und gut organisiert nehmen die Kutten-Rocker schon lange kein Bargeld mehr entgegen, sondern lassen sich das Geld auf ein getarntes Konto überweisen. Aus gut informierten Kreisen wird berichtet, dass sehr genau geregelt ist, wie viel Schutzgeld für verschiedene „Vergehen“ von unbescholtenen Bürgern erpresst wird.

Wie auch viele andere Bürger stellte Heidebrandt keine Anzeige. Diese führen nie zu einem Prozess oder gar einer Verurteilung. Stellenweise hat man den Eindruck, Staatsanwaltschaft und die als „Bullen“ bekannte Bande arbeiten Hand in Hand, so gehen doch Justizmitarbeiter in den Banden-Treffpunkten, welche süffisant als „Präsidium“ bezeichnet werden, ein und aus.

In den letzten Monaten wurden Mitglieder der Bande immer wieder dabei beobachtet, wie Sie Demonstrationszüge und Veranstaltungen von Rechtsradikalen Gruppierungen schützten – die Frage wer hier wen kontrolliert beschäftigt seither die wenigen kritischen und nicht korrupten Justiz-Mitarbeiter.

cde

comments powered by Disqus