Montag, 27. Mai 2013, 08:01 Uhr

Drohneneinsatz der Deutschen Bahn Mit bewaffneten Drohnen gegen Obdachlose und Bettler

Ein für die Deutsche Bahn scheinbar unerträglicher Anblick
Foto: Dierk Schäfer / Lizenz Ein für die Deutsche Bahn scheinbar unerträglicher Anblick

Für die Bundeswehr ist das Drohnenthema aus Kostengründen bereits vom Tisch, da meldet sich plötzlich die Deutsche Bahn zu Wort: Der Konzern kündigte an, die Technik künftig auf Bahnhöfen zu benutzen, um Obdachlose, Bettler und andere unerwünschte Personen zu identifizieren. Die „Penner-Gewerkschaft“ HDMNE äußerte Empörung.

Der Zeitpunkt ist denkbar unpassend. Mitten in den Tarifverhandlungen zwischen der Bundesregierung und der Schnorrer-Gewerkschaft HDMNE sorgt die Deutsche Bahn für ein einen Sturm der Entrüstung: Auf DB-Gelände sollen künftig Drohnen eingesetzt werden um unerwünschte Personen zu vertreiben.

Auch Pfandsammler sollen vertrieben werden. Die Bahn weist darauf hin, dass das Flaschenpfand einen bedeutenden Teil des Einkommens des bahneigenen Reinigungspersonals ausmacht. Durch die Maßnahme soll aber vor allem der Sicherheitsdienst der Bahn entlastet werden. Als Folge von Doppelschichten und Überstunden, mangelhafter Ausbildung und enorm niedriger Stressschwellen der Mitarbeiter, kommt es immer wieder zu körperlichen Auseinandersetzungen, bei denen Trunkenbolde und anderer Abschaum verletzt wird. Das kostet die Bahn jährlich mehrere Millionen Euro an Straf- und Schmerzensgeldern.

„Die Drohnen sind mit einem Elektroschock-System ausgestattet, dass präzise dosiert werden kann. Wir sind in der Lage individuell auf die körperlichen Gegebenheiten des Unruhestifters zu reagieren und so mit einem Mindestmaß an Gewalt für Ruhe und vor allem Ordnung zu sorgen“ versicherte Rüdiger Melzhofer von der Deutschen Bahn. „Wir sehen das auch als Serviceleistung: Für unsere zahlenden Kunden, aber auch gegenüber den Pennern“ erklärt Melzhofer weiter.

Die Drohnen sind laut Melzhofer nur die erste Stufe einer Kampagne. Bereits Anfang 2014 sollen Selbstschussanlagen eingesetzt werden um Grafitti-Sprüher abschrecken: „Wir befinden uns derzeit noch in einer Testphase, die Ergebnisse allerdings sind sehr vielversprechend. Wir experimenteren aber auch mit Landminen und elektrischen Zäunen“.

„Penner-Gewerkschaft“ kündigt bundesweiten Streik am Dienstag an

Als die Nachricht am späten Sonntag-Abend die Verhandlung erreichte, soll ein Tumult ausgebrochen sein. Die Vertreter der Regierung wurden angeblich mit zusammengerollten Obdachlosen-Zeitschriften angegriffen, worauf hin diese sich wehrten, in dem sie mit Hartgeld um sich warfen.

Nachdem die Verhandlungen für gescheitert erklärt wurden, kündigte die HDMNE einen Generalstreik ab kommendem Dienstag an: „Wir werden erst wieder vor Supermärkten, auf Parkplätzen und Bahnhöfen betteln, wenn ein Mindestsatz für Almosen vereinbart wurde. Außerdem verlangen wir nun zusätzlich, dass die Drohnenpläne der Deutschen Bahn ein für alle mal begraben werden“, sagte Ronny Oberschmidt, Präsident der HDMNE, in einem Telefoninterview.

Die Bahn weist auf Ihrer Internetseite bereits darauf hin, dass es aufgrund des Streiks möglicherweise nicht zu gewohnten Beeinträchtigungen kommen kann. Es sei ferner damit zu rechnen, dass auf Supermärkten ungestört eingeparkt werden kann und gegebenfalls Türen nicht von obdachlosen Zeitungsverkäufern aufgehalten werden.

cde

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