Montag, 30. Sep 2013, 13:22 Uhr

Stadtbildverbesserung München startet Styleberatungs-Service für Obdachlose

Dieser Achtizigerjahre-Stil soll den Obdachlosen in München aberzogen werden.
Foto: Dierk Schäfer / Lizenz Dieser Achtizigerjahre-Stil soll den Obdachlosen in München aberzogen werden.

Um das Stadtbild aufzuwerten und die Belästigung für betuchte Bürger zu minimieren, startet die Stadt München nun einen kostenlosen Service für Obdachlose: Styleberater sorgen dafür, dass öffentlich sichtbare Menschen ohne Wohnsitz sich ansprechender kleiden.

Mit einem neuen Service möchte die Stadt München sowohl besser gestellten als auch obdachlosen Menschen zu mehr Lebensqualität verhelfen: Kostenlose Styleberater sorgen dafür, dass Obdachlose im Münchner Stadtgebiet sich optisch ansprechender kleiden.

„Die meisten laufen rum wie Obdachlose aus den Achtzigerjahren. Denen gibt heute doch keiner mehr Geld. Abgesehen von der bereits verschlissenen Kleidung, hält man diese Hilfebedürftigen häufig für Studenten & Künstler – sogenannte Hipster – und geht davon aus, dass Sie ihre ranzigen Mäntel und fingerfreien Handschuhe für teures Geld erstanden haben. Würden Sie so einem noch Geld geben?“, fragt Helmut Wickler, Leiter des Teams der insgesamt 40 Styleberater im Dienst der Stadt.

Mit modischer Kleidung, die dem Stil eines modernen Obdachlosen von 2013 entspricht, soll den Augen von Einwohnern und Touristen geschmeichelt werden. „Karierte Jackets im Used-Look, klassische Sportschuhe und Thermo-Handschuhe in herbstlichen, dezenten Farben. Das ist der europäische Penner-Stil, den wir in München etablieren wollen“, erklärt Wickler weiter und betont: „Natürlich gehen wir auf jeden individuell ein. Einem sportlichen Sommertyp können wir kein winterliches „abgestürzter Bänker“-Outfit andrehen.“

Das mit jährlich 7,4 Millionen Euro finanzierte Projekt soll zunächst bis 2016 laufen. Einzig ungeklärt die Frage: Wie sollen die Obdachlosen die vorgeschlagene Kleidung kaufen, ist das Geld doch knapp. Aber auch hier weiß Wickler rat: „Über Mikro-Kredite kann die Kleidung zunächst erstanden werden. Durch das angenehmere Erscheinungsbild steigern sich die Einnahmen um bis zu 400 % – damit können die schicken Penner die Kredite problemlos zurückzahlen.“

cde

comments powered by Disqus