Montag, 27. Jan 2014, 14:25 Uhr

Wiener Opernball Hunderte Rollenspiel-Fans treffen sich zum Reaktionären-LARP-Event

Alberne Kostüme in echter Kulisse: Das LARP-Event in Wien.
Foto: Gryffindor / Lizenz Alberne Kostüme in echter Kulisse: Das LARP-Event in Wien.

Hunderte Fans des Live-Rollenspiels haben sich vergangenen Freitag in Wien getroffen um mit originalgetreuen Kostümen einen Opernball abzuhalten, und veraltete, reaktionäre Lebensart zu praktizieren.

„Live Action Roleplay“ ist mittlerweile eine beliebte Freizeitbeschäftigung geworden. Jährlich treffen sich tausende Fans aus ganz Europa zu den verschiedensten Events. Häufig vor einem Mittelalter- oder Fantasy-Hintergrund. Es gibt allerdings auch im als verschroben geltenden Hobby Außenseiter: Vergangenen Freitag trafen sich hunderte Rollenspieler, um erzreaktionäre und rechtsgerichtete Abenteuer zu erleben. So ganz vom Rittern und Bürgern können aber auch sie sich nicht lösen: Das propagierte Gedankengut wirkt nicht nur altbacken, sondern könnte direkt aus dem Mittelalter stammen.

Olaf G. (24) tritt als Burschenschafter auf: „Ich liebe dieses alberne Männlichkeitsgehabe von Milchbubis. In der Rolle fühle ich mich wohl, auch wenn ich manchmal Mühe habe, mir das Lachen zu verkneifen. Vor allem, wenn wir Rumexzerzieren, als wären wir Soldaten und dabei aussehen wie ein Schützenverein auf Speed“ erzählt der Arbeitsuchende. Toll findet Olaf, der sich im Spiel Alois Schicklgruber nennt, aber auch die prunkvollen Kleider der Damen: „So viel Pomp und Protz sieht man ja sonst ganz selten. Modisch oder hübsch ist das natürlich nicht, aber ich bin fasziniert davon, wie viel Geld manche für originalgetreue Kostüme ausgeben“, staunt G. Zurecht, denn nicht selten geben die „Gattinnen“ mehrere Tausend Euro aus – nur für Material. Fertig gekaufte Exemplare sind deutlich teurer.

Unschön findet G., dass manche Leute das Rollenspiel nicht als solches erkennen: „Draußen protestieren sie wieder. Das kann ich verstehen, wäre das hier Ernst, würde ich auch sofort auf der Straße stehen. Aber wir spielen hier doch nur“, verteidigt sich G. und ergänzt: „Um in der Rolle zu bleiben, müssen wir aber auch auf diese Menschen reagieren. Wir bezeichnen sie als Abschaum und Leistungsverweigerer, dabei sind wir ja hier eigentlich die Nutznießer“. G. kann sich das Lachen mal wieder nicht verkneifen.

cde

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