Dienstag, 21. Jan 2014, 11:39 Uhr

CSU-Bundestagsabgeordneter räumt ein „Meine Doktorarbeit ist komplett eigenständig erstellt.“

Im Wachsfigurenkabinett konnte Nüßlein ein begehrtes Foto mit seinem Idol erhaschen.
Foto: Dr. Georg Nüßlein / Lizenz Im Wachsfigurenkabinett konnte Nüßlein ein begehrtes Foto mit seinem Idol erhaschen.

Die Gerüchte haben sich bestätigt, die Spekulationen ein Ende. Nachdem in seiner Partei das Thema an anderer Stelle erneut die Runde machte, gab der Bundestagsabgeordnete Dr. Georg Nüßlein (CSU) nun dem steigenden Druck nach und räumte heute in einem Interview mit der NRP ein, seine Doktorarbeit komplett eigenständig verfasst zu haben. Damit bestätigt der Dr. der Rechtswissenschaften die anonymen Hinweise, die in den letzten Monaten aus Augsburger Universitätskreisen immer wieder an die Öffentlich gelangten.

Nüßlein rechtfertigt sein Vorgehen in erster Linie durch seine berufliche Situation während der Promotion. „Als Angestellter einer Münchner Privatbank hatte ich reichlich Zeit, weil ich ja nicht selber arbeiten musste, sondern das Geld anderer das für mich erledigen ließ.“ Seine Motivation für dieses weitestgehend verpönte Handeln liege ausschließlich in persönlichen Normen, so Nüßlein weiter. „Ich fühlte mich diesem Leistungsdiktat, das die Wertigkeit eines Menschen anhand willkürlicher Bemessung seines gesellschaftlichen Nutzens definiert, nicht verpflichtet. Daher musste ich auch keine Doktorarbeit fälschen, aus Angst, ohne Titel in meiner Partei als minderwertig zu gelten. In meinem Umfeld zählen hierfür sowieso nur Hautfarbe, Kontostand, gesellschaftlicher Status und Sitte.“

Wie es jetzt mit ihm weitergeht, weiß der geborene Krumbacher noch nicht. Die Opposition, aber auch Politiker aus den eigenen Reihen, werfen ihm vor, mit seiner egoistischen Aufrichtigkeit das mühsam erarbeitete Bild des opportunistischen Bundespolitikers nachhaltig geschädigt zu haben. Seinen Sitz im Bundestag will Nüßlein aber dennoch behalten und auch den Posten des Obmanns der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität - Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichem Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft" wird er „mit all der für unsere konservative Politik charakteristischen Ignoranz und Bewegungsunfähigkeit verteidigen“, so der langjährige Bundestagsabgeordnete.

Sollte der Druck dennoch zu groß werden, hat Nüßlein bereits Optionen, sich etwas aus der Schusslinie zu bringen. Verschiedene Logistikkonzerne aber auch eine Nürnberger Wurstfabrik sind an ihm als Berater interessiert. Zu diesen Spekulationen möchte er sich jedoch nicht äußern. „Diese Personaldebatte ist für mich beendet“, pofallat Nüßlein abschließend.

ete

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