Samstag, 20. Jul 2013, 11:30 Uhr

Nach umstrittenen Urteilen Strafrechts-Reform mit Würfeln in Florida

Zum Einsatz kommen solche handelsüblichen Würfel
Foto: Alex Hinds / Lizenz Zum Einsatz kommen solche handelsüblichen Würfel

Im Fall Trayvon Martin wurde George Zimmerman nach seinen tödlichen Schüssen freigesprochen, während andere Angeklagte für Warnschüsse 20 Jahre hinter Gitter verbringen müssen. Nach nationaler Kritik wird das Strafrecht im US-Bundesstaat Florida nun reformiert. Zum Einsatz kommen ganz einfache Spielwürfel.

Der Mann, der den unbewaffneten Trayvon Martin niederstreckte wurde vergangene Woche freigesprochen: Die tödlichen Schüsse sind nach Ansicht des Gerichts in Notwehr gefallen. Kurios: Gleichzeitig sitzen dutzende Menschen in Florida ein, weil sie Warnschüsse abgegeben haben. Schuld ist ein veraltetes und zu einfach gestricktes Rechtssystem: In Notwehr greift man an und gibt keinen Warnschuss ab – also sind Warnschüsse keine Notwehr.

Richard Scott, der Gouverneur Floridas, reagierte umgehend auf die Kritik, die sich nach dem Urteil in der Bevölkerung regte, und kündigte umfassende Strafrechtsreformen an. Dabei werden alle vorgegebenen Strafmaße abgeschafft – stattdessen setzt der Richter eine Anzahl handelsüblicher sechsseitiger Spielwürfel fest, die zu gleichen Teilen zwischen Richter und angeklagten aufgeteilt werden. Bei einer ungeraden Anzahl Würfel bekommt der Angeklagte den Überschüssigen. Anschließend wird gewürfelt.

Grundsätzlich gilt: Alle gewürfelten Augenzahlen werden addiert und ergeben das Strafmaß in Jahren. Bei zwei Würfeln und einem Sechserpasch wird der Angeklagte umgehend freigesprochen. Werden ausschließlich Einser gewürfelt, wird automatisch und unwiderruflich die Todesstrafe verhängt. Mit diesem System soll auch die Arbeitsbelastung durch Gnadengesuche an den Gouverneur minimiert werden.

Natürlich gibt es auch einige Sonderregelungen: Afroamerikaner bekommen grundsätzlich einen Würfel mehr. Sind fünf Würfel im Spiel und wird eine Straße gewürfelt tauschen Angeklagter und Richter die Plätze und das Spiel beginnt von vorne – so soll den Richtern Verantwortungsbewusstsein bei der Festlegung der Würfelanzahl anerzogen werden.

Kritiker befürworten die geplante Reform in Hinblick auf wesentlich mehr Gerechtigkeit, die so in das Rechtssystem Floridas Einzug finden würde. Die Reform soll noch dieses Jahr durchgewunken werden.

cde

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