Donnerstag, 21. Nov 2013, 13:02 Uhr

Fußball-Weltmeisterschaft Katar beschließt humanere Arbeitsbedingungen für WM-Arbeiter ab 2023

Diese luxuriösen Behausungen konnten die Arbeiter schon jetzt beziehen
Foto: Creap / Lizenz Diese luxuriösen Behausungen konnten die Arbeiter schon jetzt beziehen

Für die FIFA Fußball WM 2022 in Katar werden derzeit mit Hochdruck Stadien und dazugehörige Infrastruktur gebaut, zumeist unter menschenunwürdigen Bedingungen für die Arbeitskräfte, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International jetzt in einer Pressekonferenz beklagt. Katar will nun reagieren und verspricht Besserungen, vielleicht sogar schon ab 2023.

Doha (nrp) – Als Gastgeberland für die Fußball-Weltmeisterschaft versucht der kleine Wüstenstaat Katar für mehr wahrgenommen zu werden als nur Öl, Sand und arabische Lebensart. Dieser Schuss droht nun nach hinten loszugehen, seitdem zunehmend von skandalösen Arbeitsbedingungen auf den Stadion-Baustellen berichtet wird. Das sympathische Emirat reagiert nun bestürzt und verspricht Besserung: „Selbstverständlich soll jeder Arbeiter angemessen behandelt werden, wenn er auch gute Leistung zeigt“, verspricht ein Sprecher des Bauministeriums. Die Arbeiter müssten aber auch verstehen, dass für den Emir von Katar mit der Fußball-Weltmeisterschaft „viel auf dem Spiel“ stünde, schließlich ginge es dabei um „die Öffnung des Emirats nach Westen“.

Der Großteil der Beschäftigten auf den Baustellen seien Gastarbeiter, denen bei der Einreise der Pass abgenommen würde, und die unter meist herabwürdigenden Umständen arbeiten müssten „bis zum Umfallen“, bestätigt Maurer Vaikrash aus Sri Lanka. Er habe schon zwei von vier Brüdern, mit denen er zum Geld verdienen in den Wüstenstaat gekommen sei, auf der Baustelle verloren. Natürlich sei das nicht in Ordnung, aber gerade noch im Rahmen. Schließlich hätten sich nun bereits Besserungen ergeben. Spezielle „Supporti“ stünden schon jetzt bereit, nach Tarif bezahlte Paramilitärs im Auftrag der Baustellenaufsicht, die den Arbeiter notfalls stützen sollen, damit er weiter arbeiten kann, ohne dabei umzufallen. Auch denkt man bereits über aufmunternde Worte über Lautsprecher nach, um den Arbeitern mehr Wertschätzung zu zeigen.

Alles in allem sehr gute Ideen, freut sich auch Vaikrash. Die „echten Besserungen“ sind schon für den Herbst 2023 angekündigt. Dann sollen sogar geregelte Arbeitszeiten eingeführt werden. Auch über hygienischere Bedingungen in den Unterkünften denkt man bereits nach. Dort wo sich im Augenblick 26 Arbeiter einen Bauwagen teilen, könnten bereits im Jahr 2024 nur noch 12 Arbeiter pro Bauwagen leben. Hierdurch könnte in erster Linie auch die Abnutzung der Unterkünfte durch die unsachgemäße Bewohnung durch die zumeist unkultivierten Gastarbeiter um bis zu 52 % reduziert werden. Aufgrund des hohen Zeitdrucks bis zur Fertigstellung der Stadien kann aktuell noch keine Rücksicht auf den Zustand der Unterkünfte genommen werden. „Es ist besser für die Container wenn die Arbeiter so lange wie möglich auf der Baustelle sind“, so ein Sprecher des Emirs.

Der junge Emir Tamim Bin Hamad selbst zeigt sich über solche vermutlich islamfeindliche Kritik des Westens verwundert: „Jeder Tote ist inakzeptabel, auch für uns. Niemand wünscht sich solche Zustände“, versichert der Herrscher über das reichste Land der Erde, und verspricht weiter: „Wir werden sofort Befehle erteilen, die ein Sterben auf Baustellen, die unmittelbar mit dem Stadionbau oder dem Bau von Medienzentren in Verbindung stehen, unter Strafe stellen. Wer sich nicht daran hält, muss eben gehen oder auf einer der weniger prestigeträchtigen Straßenbaustellen weiterarbeiten.“

FIFA-Chef Sepp Blatter zeigte sich ebenfalls zuversichtlich, dass die WM „friedlich und zum Preis von so wenigen Menschenleben wie möglich“ stattfinden könne. „Aber vor 2023 geht da leider gar nichts. Zu allererst müssen die Arbeiten abgeschlossen und die WM erfolgreich durchgeführt sein, dann kann man gerne auch über die Befindlichkeiten der Arbeiter nachdenken“, so Blatter in einem Interview mit der Neuen Rheinpresse.

simb

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