Donnerstag, 30. Mai 2013, 08:03 Uhr

MSV Duisburg Die Wahrheit hinter der Lizenzverweigerung

Hier sieht man den mitgliederstärksten MSV-Fanclub im Olympia-Stadion des Hertha BSC
Foto: János Balázs / Lizenz Hier sieht man den mitgliederstärksten MSV-Fanclub im Olympia-Stadion des Hertha BSC

Die DFL verweigerte dem Meidericher Spielverein die Lizenz für die 2. Liga und lässt den Traditionsclub somit vor einem Scherbenhaufen zurück. Offiziell heißt es, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit konnte nicht nachgewiesen werden. NRP liegen andere, nicht offiziell bekanntgegebene Fakten vor.

Die Nachricht kam überraschend: Die Deutsche Fußballiga entschied sich, dem MSV Duisburg keine Lizenz für die zweite Liga zu geben. Die offizielle Begründung ist der fehlende Nachweis wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. Während viele Fans sich sorgen, ob der Verein vor dem finanziellen Aus steht, wurden der NRP-Redaktion interne DFL-Unterlagen zugespielt, die ein völlig anderes Bild zeichnen und die offizielle Begründung vorgeschoben wirken lassen.

So liegen gegen den MSV zahlreiche Beschwerden vor, die bis 1999 zurückreichen. Überraschend: Nicht nur andere Clubs und Spieler haben sich beschwert, auch aus dem Kader der Zebras sind Hilfegesuche bei der DFL eingegangen.

Plagiatsvorwüre, Nebenjobs und Diebstähle in der Gästekabine

Der 1. FC Nürnberg (Nürnberg) beschwerte sich während der Saison 2005/06, dass ihm ständig Spieler verloren gehen und verdächtigte die Duisburger – Beweise konnten nicht vorgelegt werden. Der FC Bayern München (Hoeneß) beklagte, dass während eines Auswärtsspiels in Duisburg hochwertige Armbanduhren und Zigaretten aus der Kabine verschwunden sind und behauptete weiterhin, Spieler des MSV bei der Abfahrt beim Rauchen hinter dem Stadion beobachtet zu haben.

Im Jahr 2007 ging eine Beschwerde des Hansa Rostock (Reichsgau Mecklenburg) ein, der sich gar nicht mehr nach Duisburg traute. Angeblich wegen des „extrem hohen Kanakenanteils“ in der Bevölkerung, man fürchte um sein „reines Blut“. Zuletzt beschwerte sich auch der Nutznießer der fehlenden Lizenz, der SV Sandhausen (Solaranlagen Machmeier), dass man in der „riesigen Weltmetropole“ kaum das Stadion finden könne, ferner seien die Straßen völlig ungeeignet für den Mannschaftstrecker.

Ganze sieben Ordner füllen die Beschwerden Rudi Völlers (Fressnapf, Alpecin), der Peter Neururer (MSV Trainer 2008/09) seit geraumer Zeit in stets dem selben Wortlaut vorwirft, seine patentierte und als Geschmacksmuster eingetragene Frisur ohne Lizenz zu verwenden.

Aber auch aus den eigenen Reihen gibt es Anträge. Roland Müller schrieb an die DFL, dass er Angst habe, sich seinen großen Traum Handmodell zu werden verbauen könnte, und deswegen in der letzten Saison versuchte jeden Ballkontakt zu meiden um so Nagelrissen oder gar Knochenbrüchen und hässlichen Narben vorzubeugen. Den selben Wunsch äußerte auch Trainer Kosta Runjaic: Seine hauptberufliche Beschäftigung als Hausmeister in der Anne-Frank Hauptschule Duisburg-Röttgersbach lasse sich nicht mehr mit seinem Hobby – sich als Fußballtrainer zu verkleiden – vereinen.

Bestrebungen, den MSV komplett zu verbieten

Diese und noch viele weitere Beschwerden haben die DFL die Entscheidung fällen lassen, den MSV nicht weiter mitspielen zu lassen. Wie aus den Papieren hervorgeht wird weiterhin geprüft, ob Duisburg in der DFL als Parkplatz von Essen gewertet wird und somit keinen eigenständigen Fußballclub betreiben darf.

cde

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