Montag, 28. Oct 2013, 13:38 Uhr

Parallelgesellschaft im Fußball Die Fans der Schiris

Anhänger des „Club Weiner“ bei einer Pyro-Choreographie
Foto: Michal Zacharzewski / Lizenz Anhänger des „Club Weiner“ bei einer Pyro-Choreographie

Ein neues Phänomen stellt die Polizei und Vereine vor eine Herausforderung: Immer mehr Fans schließen sich zusammen um nicht Klubs, sondern das „Spiel“ der Unparteiischen anzufeuern. Ein Einblick in die noch junge Schiri-Ultra-Szene.

Immer häufiger muss die Polizei vor Spielen der höheren Ligen nicht nur Anhänger der beiden gegeneinander spielenden Vereine auseinanderhalten, sondern sich auch noch um weitere Parteien kümmern: die Fans der Schiedsrichter. Immer häufiger treten Fangruppierungen für die Unparteiischen in Erscheinung und erreichen einen beträchtlichen Anteil unter den Zuschauern.

Und natürlich gibt es auch hier eine Ultra-Szene, die „ihre“ Schiedsrichter mit Choreographien, Gesängen und mitunter auch Pyro-Technik versucht anzuheizen. Wer dabei glaubt, dass ein Schiedsrichter ja einen eher leistungsarmen Job hat, der hat weit gefehlt. Wir sprachen mit einem Anhänger der Ultra-Gruppierung „Club Weiner“, die sich dem Unparteiischen Michael Weiner verschrieben hat.

„Man sucht sich seinen Schiedsrichter nicht aus, man wird da rein geboren“ so „Jotte“, der seinen richtigen Namen lieber nicht öffentlich lesen will. Der 27-Jährige ist seit 5 Jahren Fan des Schiedsrichters, der den größten Fanklub um sich herum versammeln kann. Sein größtes Highlight, so Jotte, war das DFB-Pokalfinale 2007. An die Mannschaften erinnert sich Jotte nicht mehr, wohl aber, dass Weiner eine unglaubliche Leistung auf den Platz legte.

Als Fußballfan zweiter Klasse versteht sich Jotte nicht. Schiedsrichter leisten viel mehr als jeder Spieler auf dem Platz, glaubt Jotte. Es gibt keine Auswechselungen, es gibt keine Pausen, der Schiri rennt wie ein Stier und wird nie müde. Jotte gerät in Schwärmen.

Dass die Welt der Schiri-Ultras nicht nur schrullig, sondern auch gefährlich sein kann, zeigten jüngste Auseinandersetzungen nach dem Spiel des TSG 1899 Hoffenheim gegen Bayer 04 Leverkusen: Schiedsrichter Felix Brych wertete ein Phantomtor als Treffer und zog damit den Zorn des „Club Weiner“ auf sich. Anhänger von Brych lieferten sich im Anschluss an das Match Straßenschlachten mit gewalttätigen Mitgliedern des „Club Weiner“.

Die Öffentlichkeit bekommt davon nicht viel mit, manche szenekundigen Beamten haben von der noch recht jungen Bewegung der Schiri-Ultras noch nichts mitbekommen. Eines ist aber sicher: In Zukunft wird man von Fans der Unparteiischen noch viel hören.

cde

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