Donnerstag, 06. Mar 2014, 20:30 Uhr

Ausgebeutet Immobilien-Makler gründen Gewerkschaft

Darius Z. konnte trotz günstigem Maßanzug trotzdem eine Wohnung vermitteln – zum Glück.
Foto: Victor1558 / Lizenz Darius Z. konnte trotz günstigem Maßanzug trotzdem eine Wohnung vermitteln – zum Glück.

Immobilien-Makler genießen in der Bevölkerung kein hohes Ansehen. Viele Menschen geben ihnen die Schuld an den teilweise horrenden Provisionen, die Sie kassieren. Zu Unrecht, wie unabhängige Untersuchungen der Makler-Gewerkschaft zeigen.

Darius Z. (26) hat sich direkt nach seiner Immobilienkaufmanns-Lehre selbstständig gemacht, zog aus dem gemütlichen Städtchen Geseke nach Düsseldorf und brachte dort luxuriöse Wohnungen zu guten Preisen sowie Bruchbuden zu noch besseren Preisen an die Leute. Zumindest was die Provision angeht, scheinen die Deutschen jedoch nicht ganz zu verstehen, dass kaum Geld bei den Maklern ankommt.

„Ich musste eine sehr teure Digitalkamera für fast 200 EUR kaufen, dazu die Mitgliedschaft in einschlägigen Immobilien-Portalen im Internet sowie einen Computer, auf dem ich meine Objektbeschreibungen von den Eigentümern entgegennehmen und in die Portale kopieren kann. Wissen Sie, was das alles kostet? Da kommen im Jahr schnell mal 1000 EUR zusammen“ schildert Z. sein Leid. „Nach Steuern muss ich dafür schon mal wenigstens ein Wohnklo an den Mann bringen“ rechnet Z. den Tränen nahe vor.

Unabhängigen Untersuchungen zufolge kratzen die allermeisten Immobilienmakler am Luxusminimum. Jeder 3. Makler muss mit einer Jahreslimousine vorlieb nehmen – ein wegfallender Prestigefaktor, der sich auf den Abschlüssen niederschlägt. Weiterhin leben lediglich 70 % der Makler in Eigentumswohnungen sowie gerade einmal weitere 20 % in Eigentumshäusern – auch hier hat der Schuster offensichtlich nicht die besten Schuhe.

Um das Provisionsdumping zu verhindern gründete Darius Z. mit zahlreichen Kollegen und Konkurrenten die IG-KDB (Immobilien-Gewerkschaft, Küche, Diele, Bad). Erstes erklärtes Ziel ist der Aufbau einer Streikkasse: „Wollen wir doch mal sehen, wie die Leute an Wohnungen kommen, wenn wir unsere Arbeit niederlegen“. Weiterhin will die IG-KDB Lobby-Arbeit – oder wie Sie es nennen: Dielenarbeit – leisten, um den Gesetzgeber zu einer Mindestprovision zu drängen.

cde

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